Fei

Aus Rothenburg WIKI
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Das kleine Wörtchen "fei" ist ebenfalls ein vom Aussterben bedrohter Begriff.

Dazu einige Zeilen:

Es sind oft die kleinen Gesten, die ungeahnte Wirkung haben und die kleinen Worte, die einer Unterhaltung Pfiff geben. Was wären wir Franken und besonders natürlich wir Rothenburger ohne unser „fei“ ?

Hierfür einige Beispiele: Wir alle, die Mundart sprechen und im fränkischen, hohenlohischen und schwäbischen Raum leben, kennen das kleine Füllwort „fei“. Es mag wohl in früheren Zeiten mit dem Wort „fein“ gemein gewesen sein, doch heute lässt es sich keineswegs mehr im Sinne von fein übersetzten. Oder doch ? – als „fein dass es so ist“

Mag man es deuten wie man will, unser „fei“, das steht fest, hilft unseren Aussagen einen besonderen Nachdruck zu verleihen. Dieses scheinbar sinnloses Bekräftigungswörtchen weiß nur der sprachlich richtig anzuwenden, der damit aufgewachsen ist. Es wird vielfältig verwendet und drückt oft recht unterschiedliche Empfindungen aus.

Heißt es zum Beispiel: „Daß d’ fei kummst!“ dann wird dieser Satz durch das „fei“ zu einer Aufforderung, ja zu einem Befehl. Mag man im nachhinein feststellen: „Der is fei kummä“ dann heißt das soviel wie: Der ist doch tatsächlich erschienen. Gebieterisch wird die Rede, wenn gesagt wird: „Des läßt fei sei“, oder „Des läßt fei bleiwä“. Hier wird das sein und bleiben lassen mit dem kleinen Füllwort nachdrücklich hervorgehoben.

Ebenso betont „fei“ im folgenden Beispiel eine nachdrückliche Aufforderung: „Foehr fei vorsichti“. Im Unterschied zum Hochdeutschen erlangt unsere Rede durch einen kleinen Einschub den Eindruck der Besorgtheit. Sagen wir gar: „Foehr mer fei vorsichtig“ dann steckt darin sogar liebevolle Fürsorge.

Will man eine absolute Hervorhebung einer unumstößlichen Tatsache erreichen, wird man formulieren: „Des is fei woehr!“ oder „Des konn si der fei nimmi leistn!“ Oft wird „fei“ für tatsächlich und wirklich eingesetzt, dann heißt es bei uns: „Des is fei e Saustall“ oder „Die sin fei uzouchi“ bzw. „Des is fei ä Saubandi!“

Ein ander Mal ist „fei“ ein Ausruf der Überraschung. z.B. „Die hat den fei ookißt“ (abgeküsst) . Wahrscheinlich ist von einem hässlichen Mann die Rede oder man weiß von einem Verbot. Sagt jemand: „Etz mooch i fei nimmi!“ klingt in der Aussage nachhaltiger als nur die Feststellung: Ich mag nicht mehr. Ebenso: „I hob fei goernimmi droudenkt!“

Äußert ein Rothenburger: „Des is fei schää!“ dann ist dies eine echte Bestätigung. Erweitert er den Satz: „des is fei arch schää“, dann lobt er den Gegenstand bewusst. Will er auch diese Aussage noch steigern, wird er sagen: „Des is fei wunderschää!“ Hier lobt der Franke über die Maßen, denn wie man weiß, ist Er eher spärlich im Ausdrücken seiner Empfindungen. Mit dem Satz: „I mooch di fei“, „I mooch di fei arch“ hat der Franke seinem Herzen schon einen gewaltigen Stoß gegeben. Dies bekommt man allerdings nicht alle Tage zu hören. „des konnst merr fei glaawä! – Des is fei ä Sach!“

Hie und da ist – wenn man mit einer Belohnung oder mit einem Trinkgeld bedacht wird – noch die alte Redensart zu hören: „Des hätt si fei nitt braucht!“ – Hinter dem Dank hinzugefügte Redensart versteckt sich ein bißchen Schüchternheit und auch Verlegenheit Doch insgeheim weiß der Beschenkte natürlich, dass der Geber die Rede nicht wörtlich nimmt und die Gabe zurückerwartet.

Soll „fei“ wirklich und wahrhaftig ausdrücken, dann erklären wir: „Der is fei arch lumpert drou!“. Was bei uns heißt, der Erwähnte ist entweder bei schlechter Gesundheit oder er lebt in schlechten sozialen Verhältnissen. Die gleiche Bedeutung liegt in: „der is fei dumm“ oder „Der is fei g’scheit!“. Vielleicht entgegnet der so Apostrophierte: „Des is mir fei woscht!“ Nach dieser feststellung merkt der Schmähredner, „dass er fei nit erreicht hat, woser er gwöllt hat!“. Ein orgineller alter Ausspruch ist: „ I bin fei nit auf d’r Broodsuppn derhergschwummä kummä!“, womit eine selbstbewusste Fränkin verkündet, dass sie nicht ohne angemessene Mitgift in die Ehe eingetreten sei.

Hallt eine Männerstimme durch das Haus: „I bin fei nit dei Hansworscht!“ dann steht das Barometer meißt auf Sturm. Die Nachbarin, die das Verstärkungswort sehr wohl herausgehört hat, mag wohl später berichten: „Die hat fei e reechts langs G’sicht gmacht, des sooch I der fei!“ und ergänzen: „Oh die zwaa hewä si dann fei firchterli aufgfiert!

Die hat fei dann noch firchterli gflannt!“. In der Redewendung: „Der hat si fei bääs neighockt!“ verbergen sich zwei Aussagen. Zum einen, dass Derjenige in ein „schlechtes Haushalten“ eingeheiratet hat und zum Anderen, dass er sehr mit widrigen Umständen zu kämpfen habe. Wesentlich versöhnlicher aber dennoch bestimmt klingt „fei“ wenn wir es so anwenden: „Des mooch I fei goor nit!“.

Den Zuruf: „ Laß di fei nit derwischä!“ müsste man in der Schriftsprache wie folgt formulieren: Horch auf mich! Ich rate Dir! In der Mundart hingegen versteht jeder den in dem kleinen Flickwort „fei“ enthaltenen Unterton. Wo die jungen Leute heute sagen: „Das ist echt Klasse!“ bemerken die Älteren: „Des is fei stark!“ oder „Des is fei ä starkes Stück!“. „Fei“ drückt auch eine Anerkennung und Auszeichnung aus, wie man es in „Des schmeckt fei guet!“ erfahren kann. Sagen wir: „Der hat fei schää gschriebä!“, dann meinen wir nicht nur „sehr schön“ geschrieben, sondern auch: Der Brief ist mit viel Herz und Gemüt verfasst.

Weitere Anerkennung ist deutlich zu hören in: „Des is fei ä dichtiger Kerl!“, „Der hat fei sei Woer beinander“. So sagen wir von einem Mädchen: „des is fei ä Dunnerschgräid!“, dann entscheidet allein der Tonfall, ob ob wir gesteigerten Missmut laut werden lassen. Gute Beispiele der differenzierten Unterschiede, bieten die folgenden Sätze: „I soochs fei!“. Steht das „fei“ wie hier an letzter Stelle, so heißt es – aufhorchen. Hier zeigt es Mut an oder es ist gar Verrat im Spiel.

Bekommt man bei einer Auseinandersetzung „Isooch dersch fei!“ zu hören, dann muß es als betont energisch empfunden werden. Besonders vorwurfsvoll klingt: „Ihob dersch fei gsoocht!“. Man sieht förmlich den erhobenen Zeigefinger. Sehr stark wirkt das Empfindungswort auch in: „Des maanä mir fei wie mirs sooche!“ Bei dieser Rede ist jeder Zweifel ausgeschlossen. Die vorangegangenen Beispiele zeigen auf, wie vielseitig und bedeutungsvoll das kleine facettenreiche Wörtchen „fei“ nur sein kann, dabei hat es doch nur 3 Buchstaben. Es kann Sätze zu Befehlen verändern, es kann absolute Bestimmtheit ausdrücken, aber auch Anteilnahme und Herzenswärme spürbar werden lassen. Die Möglichkeiten es einzusetzen sind überaus zahlreich. – Somit ist „fei“ tatsächlich und ohne Frage für unsere Mundart eine Bereicherung. Des is fei wirkli woehr !!!