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Fremde Klänge in der Röderschütt

Eingetragen von am 27. April 2011 – 11:45Kein Kommentar

Etwas abseits der ausgetretenen touristischen Pfade, in der Röderschütt, lehnen am Eck des Hauses mit der Nummer vier, zwei bunt bemalte Holzstangen. Sie sind ganz besondere Wegweiser zu einem Ladengeschäft, welches seit November 2010 für fremde Klänge in der Nachbarschaft sorgt. In den Fenstern steht „Positive Vibrations – Didgeridoo and More“ und drinnen führt Ladeninhaber Michael Beuckert die verschiedensten dieser Naturtoninstrumente.

Michael Beuckert und Mesut Arikkaş demonstrieren das Zusammenspiel zweier Didgeridoos.

Das Didgeridoo kommt ursprünglich aus Australien. Hier fertigten Ureinwohner aus hohlen, von Termiten ausgefressenen Stämmen und Ästen von Eukalyptus-Bäumen die ersten Instrumente. Auch die Spielweise, eine Kombination aus blasen, verbunden mit speziellen Mund-, Zungen- und Lippenbewegungen, wurde von den nordaustralischen Ureinwohnern entwickelt.

Im Verkaufsraum des gebürtigen Nürnbergers, stehen etwa 80 bis 100 dieser Didgeridoos. Vom bunt bemalten und aufwendig verzierten, bis hin zum naturbelassenen ist alles dabei. Auch was die Ausgangsmaterialien angeht, ist die Palette breit: Eukalyptus, Bambus, Agave, Teak, Jackfruit (ein australisch/asiatischer Laubbaum), aber auch heimische Hölzer, wie Kiefer, Esche oder Rotbuche, finden Verwendung. Etwas ungewöhnlicher sind dann schon die Herkulesstaude (Riesen Bärenklau) oder Hempstone, eine Mischung aus Hanffasern und Wasser, die sehr hart wird.

Unterstützt wird Michael Beuckert von Mesut Arikkaş. Die beiden kennen sich seit drei Jahren und absolvieren auch Auftritte gemeinsam. „Ich war auf der Suche nach einem Händler und so kam ich zu Michael. Bei ihm hab ich mein erstes Eukalyptus gekauft“, erzählt Arikkaş, der seit drei Jahren spielt. Über das Didgeridoo und die gemeinsame Musik, seien sie zu sehr guten Freunden geworden, fügt er an.
Dass die beiden auf einer Wellenlänge liegen, wird in ihren Erzählungen deutlich. Wenn man Beuckert und Arikkaş so zuhört, so spürt man förmlich die Begeisterung, die beide für dieses Instrument in sich tragen. Die Augen leuchten und die beiden kommen ins Schwelgen. Von Sessions und Festivals, von Workshops und Jams ist dann die Rede. Und von den vielen Größen der Branche, bei denen man schon einen Workshop besucht hat und die allesamt vollkommen unkomplizierte Leute, ohne Starallüren seien.

Die Auswahl an Didgeridoos aus unterschiedlichsten Materialien ist groß.

Beuckert, der seit 2008 auch über eigene Importe Didgeridoos aus Australien einführt, hat vom einfachen Bambus-„Didge“ für Zehn Euro bis zum sog. „Big Bell“ aus Eukalyptus, für weit über 1.000 Euro, alles im Sortiment. „Jedes ist so absolut einzigartig, jedes hat seinen eigenen Charakter“, erzählt er und Mesut Arikkaş fügt an „Jedes hat seinen eigenen Geist.“ Und in der Tat ist es so, dass jedes Instrument mit anderen Eigenschaften, jedes mit individuellem Klang daher kommt.
Die Konsequenz erklärt Michael Beuckert so: „Ich habe zwar einen Online-Shop, aber am liebsten ist es mir, wenn die Leute her kommen und das Instrument spielen. Das muss einfach passen. Und das findet man nur heraus, wenn man ein Didge spielt. Es gab mal einen Australier, der meinte, man kann nicht Didgeridoo spielen, man kann sich nur spielen lassen.“

Beuckert, der eigentlich ausgebildeter Heilerziehungspfleger und systemischer Berater ist, sieht das Didgeridoo-Spiel daher auch aus dem gesundheitlichen Aspekt. Das Spielen des Instruments bzw. die Atemtechnik, die für das Spielen notwendig ist, wirkt sich positiv auf Atemwegserkrankungen oder auch Atemaussetzer aus. Dies ist auch in der Fachwelt bekannt. Im Mai findet daher in Berlin auch ein internationales Benefiz-Didgeridoo-Festival zugunsten von jungen Menschen mit Mukoviszidose statt.

Michael Beuckert mit einem kompakten Reisedidgeridoo.

Als weiteres Standbein bietet Beuckert auch Kurse an. Im Einzel- oder Gruppenunterricht bringt er Interessierten das Didgeridoo-Spiel bei. Über die Kurse und den entstandenen Kontakt, verkaufen sich dann natürlich auch Instrumente. Gerade die günstigeren Modelle, aus Bambus, Teak oder Jackfruit, im Preisbereich zwischen 10 und 100 Euro sind hier beliebt.

Seine eigenen musikalischen Anfänge mit dem Instrument beschreibt Beuckert so: „Das war mitte der 90er. Da hatte ein Freund von mir ein Didgeridoo in der Schule dabei und ich hab mal reingeblasen und dachte mir ‚Wow! Der Ton! Der geht so durch! Den will ich!‘, und das war für mich das aller erste Mal, dass mir Musik machen Spaß gemacht hat. Ich kannte das nur so aus dem Schulunterricht, mit Vorsingen und klassischer Musik und Noten lesen.“

„Was mich aber heute so begeistert: Musik machen bringt einen ja auch immer in eine andere Welt, man taucht dann so ein und ist irgendwie weg. Aber Didgeridoo nimmt einen so ganz anders mit! Die Vibration geht völlig durch den Körper, setzt an den Lippen an und alles gerät in Schwingung“, erzählt Michael Beuckert weiter. Er hat vorher auch Bass, Trommel oder andere Percussion gespielt und verfügt somit über einschlägige Erfahrungen.

Seit März gibt es bei Beuckerts „Positive Vibrations“ auch größere Auftritte, die über Straßenmusik oder Engagements bei Vernissagen, Hochzeiten oder Firmenfesten hinausgehen. Diese werden dann Zusammen mit einem weiteren Freund absolviert und sorgen regelmäßig für Begeisterung.

Für weitere Informationen gehts hier zur Website von Positive Vibrations – Didgeridoo and More . Den Youtube-Channel von Positive Vibrations finden Sie hier.

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